Review: "Werk ohne Autor" (Drama)

* * * * * * (6 von 10 Sternen)

Der deutsche Film „Werk ohne Autor“ ist in zwei Kategorien für die OSCARS 2019 leer ausgegangen. Einmal für „Bester ausländischer Film“ und einmal als „Beste Kamera“. Der Regisseur dieses Films ist für die Oscars kein Unbekannter. Florian Henckel von Donnersmark gewann mit dem DDR Stasidrama „Das Leben der Anderen“ bereits 2007 den Oscar für „Bester ausländischer Film“.

(C) Pergamom Film / Wiedemann & Berg Film / Beta Cinema / ARD Degeto

(C) Pergamom Film / Wiedemann & Berg Film / Beta Cinema / ARD Degeto

„Werk ohne Autor“ erzählt das Leben von einem aufstrebenden Maler in drei deutschen verschiedenen politischen Systemen. Beginnend als Kind 1937 und somit in der Zeit des Nationalsozialismus und endend in den 60er Jahren in Düsseldorf.

Tatsächlich wirkt das Drehbuch und die Dramaturgie wie eine Aneinanderreihung von Ereignissen. Ein homogener dramaturgischer Spannungsbogen ist im Film sehr schwer auszumachen. Ebenso ist es mir als Zuschauer schwer gefallen, den Hauptkonflikt des Films greifen zu können. Das macht es schwer diesem dreistündigen Epos mit Motivation und Interesse zu folgen.

Auch viele Nebenfiguren bleiben in ihrer Charakterzeichnung auf der Strecke. Sie erscheinen an bestimmten Stellen der Geschichte, aber es wird ihnen keine Chance eingeräumt, ihrer Daseinsberechtigung Tiefe zu verleihen und als Zuschauer fragt man sich immer, welchen Beitrag diese Figur nun für die Geschichte geleistet hat.

Die Hauptcharaktere leiden aber ebenso an der fehlenden Aufarbeitung verschiedener Konflikte, die zuvor in den erzählerischen Raum geworfen worden sind. Das erschwert die Synchronisation der Zuschauer mit den Figuren und so fehlt diesem Epos ein entscheidendes Merkmal, was einem Epos schlussendlich ausmacht: Das Mitfiebern mit den auf der Leinwand agieren Figuren.

(C) Pergamom Film / Wiedemann & Berg Film / Beta Cinema / ARD Degeto

(C) Pergamom Film / Wiedemann & Berg Film / Beta Cinema / ARD Degeto

Im Allgemeinen macht der Film den Eindruck, dass man den Fokus auf die eher nebensächlichen Elemente gelegt hat. So vermittelt der Film zwischen den Zeilen einen gewissen Narzissmus, der das Gesamtbild vollkommen unnötig negativ trübt. In vielen Momenten überkommt einem der Eindruck, dass der Film nicht für die Zuschauer gemacht worden ist. Das ist schade, denn es sollte doch die Intention eines jeden Filmemachers sein, dies in den Fokus seiner Bestrebungen und seiner Arbeit zu rücken.

Überzeugen kann der Film nämlich auf der visuellen und auch audiovisuellen Ebene. Es gibt so viele Momente, die mich als Zuschauer schon beeindruckt haben. Da spürst du regelrecht, dass dort Visionäre am Werk waren, die ihr Handwerk auch verstanden haben. So habe ich persönlich dem Cinematographen des Films Caleb Deschanel große Chancen für den Oscar eingeräumt, aber auf der anderen Seite frage ich mich, warum man keinem deutschen Cinematographen das Vertrauen geschenkt hat, den Film bildgestalterisch in Szene zu setzen.

Die Musik von Max Richter überzeugt an vielen Stellen und sorgt für Atmosphäre, ist aber kein durchgängiges Meisterstück.

Fazit: „Werk ohne Autor“ ist ein filmisches Werk, dass zwar auf visueller Ebene zu überzeugen mag, aber auf dramaturgischer Ebene wirkt, als hätte man sich an seinem eigenen Stoff verhoben.