Review: "Chernobyl" (Miniserie)

* * * * * * * * * *(10 von 10 Sternen)

Es ist einer der schlimmsten Vorfälle der Weltgeschichte. Der Vorfall im ukrainischen Atommeiler Chernobyl im April 1986 in der noch damaligen Sowjetunion. Eine Katastrophe sowohl vom naturökonomischen als auch vom menschlichen Aspekt. In der Tat ist der Vorfall von Chernobyl die negative Offenbarung einer konsequenten Selbstüberschätzung und Allmachtsfantasie von der menschlichen Spezies. HBO und SKY haben nun eine Miniserie von 5 Folgen produziert und sie ist in vielerlei Hinsicht die beste, die emotional intensivste und visuell stärkste Auseinandersetzung mit der Katastrophe und ist für mich die beste Miniserie der letzten 10 Jahre.

(C) HBO / SKY / Sister Pictures / The Mighty Mint / Word Games

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Die Geschichten und die Chronologie rund um die Katastrophe sind bekannt und auch durch die Medien und die Wissenschaft aufgearbeitet worden. Sie hat zu einem großen Umdenken in unserer Welt geführt, aber sie es hätte dazu nicht kommen müssen. Das Leben von über 10 000 Menschen ist vollkommen zerstört worden, durch die Arroganz und der Engstirnigkeit einiger weniger Funktionäre. Dies zeigt die Serie so eindrucksvoll, dass einem die Tränen vor Machtlosigkeit und Ungläubigkeit in die Augen steigen.

Entwickelt und realisiert worden sind die fünf Folgen von Craig Mazin (Drehbücher und Showrunner) und Johan Renck (Regie). Sie beginnt mit der Katastrophe in einer Aprilnacht 1986 und erzählt über den ersten vier Folgen so intensiv und so atmosphärisch dicht die Auswirkungen, dass es einem beim Zusehen die Kehle zuschnürt. Die Serie katapultiert dich als Zuschauer in eine Position der Hilflosigkeit und der Gewissheit, dass die Menschen durch eine Hölle gehen. Und dagegen kannst du nichts tun. Du weißt, dass es keinen Ausweg gibt. Du weißt, dass es sich nicht zum Guten ändern wird. Mazin und Renck ziehen dabei alle visuellen Register. Die Bildgestaltung und die Musikuntermalung unterstreichen diese Tatsache und versetzen den Zuschauer in ein so großes Unbehagen, dass er gewillt ist die Folge schnell zu beenden aber gleichzeitig motiviert die Serie weiterzuschauen.

(C) HBO / SKY / Sister Pictures / The Mighty Mint / Word Games

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Das toppt jedoch die fünfte und letzte Folge der Serie, die eine emotionale Parabel auf den größten Fehler der Menschheit und der menschlichen Gesellschaft. Hier sind es machtvolle sowjetische Funktionäre, denen einst viel zu viel Macht gegeben, die dadurch Allmachtsfantasien entwickelten und sich bald über allen stehen sahen, auch über die Macht der Natur. Sie ließen keine Fehler zu. Sie ließen keine Schwächen zu. Konsequenzen zu tragen, dazu waren sie nie bereit. Bestraft worden andere. Unterdrückt worden Persönlichkeiten, die für eine Wahrheit einstanden. Für die Fehler weniger Machtgieriger mussten tausende Menschen bluten.

Alte und machtgeile Männer (und Frauen) sorgen dafür, dass die Welt stehen bleibt und an den Rand ihres Untergangs drängen. Am Ende stellst du dir schon die Frage: Wie viel Verantwortung darf eine Regierung überhaupt bekommen? Wie viel Macht dürfen menschliche Individuen überhaupt besitzen, ohne dass es schwerwiegende Konsequenzen für viele haben wird? Die Serie untermauert außerdem, dass es wichtig ist, der Wissenschaft Gehör zu geben, denn sie zeigt uns immer und immer wieder, dass wir absolut gar keine Macht über die Natur besitzen können, auch wenn wenige da anderer Meinung sind. Ein kleiner Trost ist, dass die machtvollen Funktionäre die Quittung für ihr Handeln erhalten und das die Katastrophe einen großen Teil zum Fall der Sowjetunion beigetragen hat.

(C) HBO / SKY / Sister Pictures / The Mighty Mint / Word Games

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Neben den starken Drehbüchern und der der intensiven visuellen und audiovisuellen Erzählweise überzeugen die Schauspieler mit einer nicht minder intensiven Performance. Jared Harris („Sherlock Holmes: Spiel im Schatten“), Stellan Skarsgard („Fluch der Karibik“) und Emily Watson („War Horse“) bilden die Speerspitze eines in sich stimmigen Ensembles.

Fazit: „Chernobyl“ ist eine Abrechnung mit und eine Warnung an die Menschheit gleichermaßen und das auf eine visuell intensive Art und Weise. Die starken Drehbücher und die herausragende Arbeit der Schauspieler überzeugen über die gesamten fünf Folgen der Miniserie.

Hinweis: “Chernobyl” ist via SKY TICKET als komplette Serie noch 30 Tage abrufbar