Review: "Ballon" (Thriller)

Review: "Ballon" (Thriller)

BALLON

* * * * * * * * * *(9 von 10 Sternen)

„Der Schuh des Manitu“ holte über 12 Mio Zuschauer in die deutschen Kinos. Das war ein Erfolg, der komplett auf das Konto des Masterminds Michael „Bully“ Herbig ging und der Erfinder der legendären „bullyparade“ auf Pro 7 eine feste Komödien-Größe im deutschen Kino wurde. Doch man spürte schon damals, dass Michael Herbig Ambitionen hatte, die schon nach internationalem Niveau rochen. Nicht umsonst bekam Bully damals Unterstützung von Deutschlands einstigem Top-Produzenten Bernd Eichinger, der das Potenzial damals schon erkannt. Michael Herbig machte mit Komödien weiter. Mit „(T)Raumschiff Surprise“ demonstrierte er was ein deutscher Film mit gut gemachten Visual Effects (von Scanline VFX) ist und vollendete seinen Komödienzyklus mit „Lissy und der wilde Kaiser“, „Buddy“ und „Bullyparade – Der Film“. Schon damals offenbarte er die Ambitionen, einen Film abseits der Comedy zu machen und ließ seinen Worten Taten folgen. Mit „Ballon“ schuf er einen ambitionierten und ernstzunehmenden Thriller und somit einen Genrefilm.

 (C) HerbX Film / Studiocanal

(C) HerbX Film / Studiocanal

Als Vorlage diente die wahre Geschichte einer spektakulären Flucht aus dem damals geteilten Deutschland, als von der DDR in die BRD mit einem Heißluftballon. 10 Jahre vor der Wiedervereinigung herrschte das wohl dunkelste Kapitel der deutsch-deutschen Geschichte nach dem Krieg. Die Staatssicherheit hatte ihre DDR-Bürger fest im Griff, an der innerdeutschen Grenze galt der Schießbefehl. Es war eine Farce und das größte modernste Gefängnis, in dem ein Volk eingekesselt wurde. In dieser Zeit aus gelebter Heuchelei der Politik und der spürbaren Angst unter der Bevölkerung wagten zwei Familien das scheinbar Unmögliche. Die dramatische Flucht mit einem selbstgebauten Heißluftballon über die innerdeutsche Grenze.

Es war schon etwas verwunderlich, dass sich bisher kein deutscher Filmemacher dieses Thema angenommen hat und man lieber den x-ten belanglosen Film über den Zweiten Weltkrieg verfilmte. Im Nachhinein kann man als Zuschauer echt dankbar sein, dass Produzent, Regisseur und Drehbuchautor Michael Herbig damit sein „Debüt“ außerhalb des deutschen Comedykosmos gegeben hat. Denn zusammen mit seinen Co-Autoren Kit Hopkins und Thilo Röscheisen („Starfighter“ / „Schutzlos“) schuf er einen reinrassigen Thriller, wie er auch als England, Skandinavien oder Amerika zu diesem Thema kommen würde. Die Autoren halten in der Dramaturgie die Spannungskurve extrem hoch. Alles spitzt sich zu. Gekonnt wird die Konfliktschlinge um die Charaktere gelegt und zieht sich mehr und mehr zu, bis man keine fast keine Luft mehr bekommt. Als Zuschauer ist man von sofort in der Story gefangen, leidet mit den gut gezeichneten Charakteren mit und starrt gebannt auf die Leinwand mit dem innigen Wunsch, dass die Flucht doch gelingen möge. Schon im Opening setzt Michael Herbig auf atmosphärische Sequenzen, die es den Zuschauern hilft, in diese Welt einzutauchen. Er hat das Handbuch des Thrillers nicht nur gelesen, sondern eingeatmet und versteht sein Handwerk als Filmemacher. Das bringt den Film extrem viele Pluspunkte.

 (C) HerbX Film / Studiocanal

(C) HerbX Film / Studiocanal

Michael Herbig hat seine Schauspieler von Anfang bis Ende im Griff. Friedrich Mücke spielt den charismatischen und zielgerichteten Familienvater Peter Strelzyk, dem Initiator. An seiner Seite Karoline Schuch sowie David Kross und Alicia von Rittberg als befreundete Familie, die zusammen am Plan festhalten. Der Antagonist überzeugend gespielt von Thomas Kretschmann. Seine Rolle als kalter und knallharter Oberstleutnant Seidel, der mit einer Mischung aus Unbarmherzigkeit und Sarkasmus, fokussiert seinen Job zur vollsten Zufriedenheit seiner obersten Befehlshaber zu erledigen agiert auf einem hohen Level. Hollywood Export Antje Traue („Man of Steel“) hat einen kleinen aber intensiven und für die Story entscheidenden Gastauftritt. Wie oben erwähnt, nimmt Michael Herbig seine Arbeit sehr ernst und verzichtet vollkommen auf einen Gastauftritt.

 

Das Handwerk eines herausragenden Thrillers hört für Michael Herbig nicht bei der Story auf, sondern ist im gesamten Film, in allen Departments, extrem spürbar und deshalb auch so wunderbar anders. Besonders hervorzuheben ist musikalische Arbeit seines Stammkomponisten Ralf Wengenmayr der einen atmosphärisch dichten und mitreißenden Score komponiert hat, der in einer deutschen Produktion selten zu hören ist. Dicht auf den Fersen sind die Bildgestaltung des Films und auch das Production Design. Die VFX Schmiede aus Deutschland Scanline VFX, die eher einen Dauerauftrag aus Hollywood haben, halfen da weiter, wo die Special Effects und das Art-Department an ihre Grenze kamen und schufen z.B. für eine imposante Panoramaaufnahme ein geteiltes Berlin in den 80er Jahren.

Fazit: „Ballon“ ist ein gelungenes Debüt von Michael Herbig außerhalb der Comedy und könnte sein bisher bestes filmisches Werk werden und gleichzeitig ist der Film ein History-Thriller auf internationalem Niveau und dem Beweis wie man Filme aus Deutschland noch inszenieren kann, nämlich so wie in den 20er Jahren: kraftvoll, schnörkellos, straight, frei von Selbstverliebtheit und Avantgarde-Getue und mit einem gewissen Perfektionismus. Ihr Leute, strömt in die deutschen Kinos und schaut euch einen richtig guten deutschen Film an.

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