Review: Dunkirk (2017) - Kriegsfilm

Review: Dunkirk (2017) - Kriegsfilm

* * * * * * * * * *(10 von 10 Sternen)

Regisseur Christopher Nolan ist unumstritten einer der erfolgreichsten und vom System unabhängigsten Regisseure unserer Zeit. Durch visuelle Ausnahmearbeiten und einem individuellen und zugleich erfolgreichen Inszenierungsstil kann bei er seinem Haus und Hofstudio Warner Bros. (fast) jeden Film auf die Beine stellen. Und das tut er auch: Mit „Dunkirk“ hat er sich an das durch Hollywood und auch Deutschland ausgelutschte Kriegsgenre gewagt. Die anfängliche Skepsis ist nach den ersten Sekunden sofort verflogen. Chris Nolan hat es geschafft, dem Genre Kriegsfilm eine gänzlich neue Facette abzugewinnen.

 (C) Warner Bros. Pictures

(C) Warner Bros. Pictures

„Dunkirk“ überrascht vor allem die Nolan Fans mit einer für den Regisseur ungewöhnlichen Laufzeit von fast 110 Minuten. Ein genialer Coup, den somit erschafft er eine krasse Momentaufnahme eines historischen Ereignisses und erhitzt dabei die Spannung bis zum Siedepunkt. Ohne Backstory katapultiert Nolan seine Zuschauer sofort mitten ins Geschehen. Ihm reichen nur drei Texttafeln um seine Welt zu etablieren und mit einem verdammt starken und beklemmenden Opening zu beginnen.

Wir begleiten als Zuschauer die Protagonisten durch die dramatischen Ereignisse in Dünnkirchen im Zweiten Weltkrieg, wo Engländer und Franzosen vom Feind eingekesselt und an den Strand gedrängt worden sind und dort auf eine rechtzeitige Evakuierung hoffen. Dies wird aus drei verschiedenen Perspektiven erzählt: Zu Land. Zu Wasser. In der Luft. Der Clou: Nolan erzählt von den Ereignissen in einer dischronologischen Weise. Wenn Nolan auf den ersten Erzählakt verzichtet, dann tut er das auch bei der Etablierung der Haupt- und Schlüsselfiguren. Das einzige was wir über die Figuren wissen, ist deren Name und ihr Ziel. Das mag befremdlich klingen,  reicht aber aus um sich mit zumindest eine der Figuren synchronisieren zu können. Denn Nolan hält von Anfang bis Ende die Spannung hoch. In jedem Augenblick spürt der Zuschauer, dass seine Figuren sich in höchster Lebensgefahr befinden. Jeder Angriff vom Feind gleicht einem Adrenalinkick und lässt uns emotional an unsere Grenzen bringen. Das ganze tragische Ausmaß dieses historischen Ereignisses im Zweiten Weltkrieg ist im Film jede Sekunde spürbar und geht Mark und Bein.

 (C) Warner Bros. Pictures)

(C) Warner Bros. Pictures)

Die Schauspieler fügen sich trotz fehlender Backstory homogen in das Geschehen ein und liefern Nolan eine starke Performance. Im Gegenzug dazu bietet er sowohl Newcomern (u.a. Fionn Whitehead, Harry Styles) als auch seinen Stars (Tom Hardy, Chilian Murphy, Kenneth Branagh, Mark Rylance) eine gute Performance-Plattform.

Nolan setzt dabei auf die Kraft der Bilder, verzichtet gänzlich auf Blut und Splatter, erreicht trotzdem ein beklemmendes Gefühl. Denn sie zeigen, dass der Tod allgegenwärtig ist und immer dann zuschlägt, wenn keiner damit rechnet. Das was Nolan zusammen mit seinem Kameramann Hoyte van Hoytema auf die Leinwand zaubert, offenbart die gesamte Wucht des Krieges. Die Kameraführung ist die meiste Zeit ruhig und durch kleine inszenatorische Kniffe fühlt es sich an, als ob man selbst mittendrin wäre. Dafür ist kein 3D notwendig, das hat Nolan noch nie gebraucht, um seine Zuschauer in seine Welt zu katapultieren. Zudem verzichtet der Regisseur gänzlich auf ein überstilisiertes glorifiziertes Feindbild, was dem Genre Kriegsfilm endlich wieder eine andere Facette abgewinnt. Dem letzten Regisseur, dem das gelungen ist, war Wolfgang Petersen mit dem besten deutschen Anti-Kriegsfilm „Das Boot“.

Chris Nolan hat immer einen verlässlichen Joker in der Hand und die Karte spielt er auch mit Genuss aus: Hans Zimmer. Der Komponist ist mitunter die wichtigste Säule für den Film. Mit seinem treibenden und regelrecht adrenalinhochpeitschenden Score sorgt er dafür, dass die Spannung oben bleibt und gelegentlich den Siedepunkt erreicht. Klaustrophobisch, wenn ein getroffenes Schiff unaufhaltsam im Meer versinkt. Beklemmend, wenn sich ein Angriff aus der Luft angekündigt, im Einklang mit den aufheulenden Motorengeräuschen.

Fazit: „Dunkirk“ überzeugt auf ganzer Linie. Aber anders als erwartet. Chris Nolan findet neue Ansätze in seiner Erzähl- und Inszenierungsweise und präsentiert uns einen filmisch emotionalen Adrenalinkick, in dem der einzige Moment zum Durchatmen und Runterkommen die End Credits sind.

 

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