Review: Steig.Nicht.Aus! (2018) - Action-Thriller

Review: Steig.Nicht.Aus! (2018) - Action-Thriller

* * * * * * * (7 von 10 Sternen)

Regisseur Christian Alvart ist einer der wenigen Regisseure, die am Potenzial deutscher Genrefilme festhalten. Angefangen 2005 mit dem Film „Antikörper“ unternahm der Regisseur einen kurzen Ausflug nach Hollywood („Pandorum“) um dann wieder nach Deutschland zurückzukehren. Sein Spezialgebiet ist Action und Thriller. Natürlich scheiden sich vor allem in Deutschland die Geister an seinen Filmen, was vor allem durch Arroganz und Festhalten eingestaubter Traditionen der Fall ist. Dementsprechend war es ein kleiner Affront wie er alle vier bisherigen „Tatort“ Einsätze von Til Schweiger inszeniert hat. Das alt ehrwürdig eingestaubte Format der Öffentlich-Rechtlichen. Alvart hält bis heute an seinem Kurs fest und bringt mit „Steig. Nicht. Aus!“ einen soliden Action Thriller mit einigen Schwächen auf die große Leinwand.

 (C) Syrreal Entertainment / Traumfabrik Babelsberg / ZDF / NFP

(C) Syrreal Entertainment / Traumfabrik Babelsberg / ZDF / NFP

Zuerst muss gesagt werden, dass das Drehbuch von Regisseur Alvart eine Adaption des spanischen Thrillers „Anrufer unbekannt“ („El desconocideo“) aus dem Jahr 2015 ist. Das ist in dem Sinne ein kleiner Wehrmutstropfen, dass es kein deutscher Originalstoff ist und somit der Eindruck entsteht, dass es in Deutschland mit der Kreativität und dem Ideenreichtum nicht gut bestellt ist. Das ist nur die halbe Wahrheit, wenn man bedenkt, dass viele innovative Ideen im Keim erstickt werden. Es existieren kreative Persönlichkeiten und starke Ideen. Aber auch Persönlichkeiten, die immer auf Nummer Sicher gehen und kein Experimente wagen, trotz kultureller Filmförderung. Bitte mehr kreative Vielfalt im deutschen Kino.

Zurück zum Drehbuch: Alvart präsentiert uns ein äußerst spannendes Setting und einen interessanten sowie thrilligen USP. Über Logiklöcher und Ungereimtheiten im Drehbuch könnte man dieser Stelle ausgiebig diskutieren. Aber dann schmält jeder fiktionale Film unter den Kriterien des Sehvergnügen. Natürlich sind Ungereimtheiten da, aber sie sind in meinen Augen nicht so krass, dass der Seheindruck geschmälert wird. Alvart baut in das Motiv des Antagonisten die Korruption in der deutschen Baubranche und der menschenverachtenden profitorientierten Immobilienbranche gesellschaftskritisch ein. Ist ein interessanter Aspekt, doch dieser schon fokussierte Film hätte das nicht gebraucht. Die Themen wären guter Stoff für einen eigenen Thriller. Das Ende mit der Läuterung des Hauptprotagonisten hätte tatsächlich nicht sein müssen.

 (C) Syrreal Entertainment / Traumfabrik Babelsberg / ZDF / NFP

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Christian Alvart arbeitet auf visueller Ebene mit zwei starken Komponenten: Einmal die schon fast klaustrophobische Enge im Auto inszeniert mit intensiven Nahaufnahmen und das bedrohliche Setting außerhalb mit fantastischen und gut choreografierten Plansequenzen. Das baut die Spannung auf die der Film ausmacht. Zudem haben die Filmemacher Berlin wieder fantastisch in Szene gesetzt und gezeigt was unsere Hauptstadt draufhat. Ein großer Vorteil ist, dass viele Sequenzen an bekannten Schauplätzen umgesetzt werden konnten. Das sind eindeutig die großen Stärken von „Steig.Nicht.Aus“. Untermalt werden die Bilder von einem treibenden Score und einem sehr guten Sound-Design.

 

Wotan Wilke Möhring übernimmt die Rolle des Hauptprotagonisten. Viele der Momente spielt der Schauspieler gut, doch alles in allem ist wirkt seine Figur leider ein bisschen zu weinerlich. Natürlich ist die Atmosphäre extrem bedrohlich und es geht um die Familie. Es existieren auch ein bis zwei Sequenzen, wo das treffend inszeniert ist, aber manchmal hätte man sich gern Momente gewünscht, wo die Emotionen etwas minimalistischer gespielt werden. Zwischen der Figur von Hannah Herzsprung und der Figur von dem recht charismatischen Aleksandar Jovanovic wünschte man sich mehr Dynamik und Konfrontation, um die bedrohliche Atmosphäre noch ein bisschen zu intensivieren.

 (C) Syrreal Entertainment / Traumfabrik Babelsberg / ZDF / NFP

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Fazit: Deutschland kann Genrefilm. Das haben bereits viele kreative Köpfe trotz der Widrigkeiten unter Beweis gestellt. Nur sollte das vom Zuschauer endlich honoriert werden. Der Appell: Schaut Euch zahlreich „Steig.Nicht.Aus“ an, bevor dieser wegen weniger Zuschauer in ein paar Tagen aus den Kinos verschwindet. Ihr bekommt einen trotz kleiner Schwächen einen sehenswerten Action Thriller zu sehen. Signalisiert den Persönlichkeiten, die auf Safety First setzen, dass ihr Vielfalt im deutschen Kino wollt.

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