Review: "Deadpool 2" (2018) - Comicverfilmung

Review: "Deadpool 2" (2018) - Comicverfilmung

* * * * * * * * (8 von 10 Sternen)

„Logan“, eine „James Bond Opening Credits Sequenz“, ein Track von Céline Dion und Deadpool stirbt – uiii böser Spoiler Alert, ganz böser Spoiler Alert. Und das sind nur die ersten 10 Minuten einer vollkommen verrückten und voller Ironie triefenden Fortsetzung eines Films über den Comic-Anarcho Helden schlechthin.

 (C) 20th Century Fox / Marvel Entertainment

(C) 20th Century Fox / Marvel Entertainment

„Deadpool“ und seinen kreativen Vätern ist absolut gar nichts heilig. Es wird alles komplett durch den Kakao was nicht bei Drei auf den Bäumen ist. Marvel. DC. Terminator. Basic Instinct. Und viele viele andere Dinge, die wenn ich sie hier aufzählen würde, den gesamten Platz einer üblichen Review Länge einnehmen würde. Nichts, aber absolut gar nichts ist sicher. Jeder kriegt sein Fett weg. Dazu ist „Deadpool“ und besonders sein Hauptdarsteller zudem extrem selbstironisch. Hinzu kommen Gags und Sprüche weit unter der Gürtellinie. Außerdem scheißt, ich betone, scheißt dieser Film auf alle Konventionen, die andere Comicverfilmungen sich jahrzehntelang aufgebaut haben. Gegen den Strom. Gegen das System. Zudem ist der Film an so vielen Stellen komplett drüber und abgehoben. Er ist verrückt, extrem blutig, extrem ekelig, extrem sexistisch. Aber es macht unendlichen Spaß, diesen Nonsens auf der großen Leinwand zu sehen. Eine dramaturgisch aufgebaute Story, vergesst es. Eines kann ich euch raten: Schafft Euch, wenn ihr es noch nicht habt, das komplette Wissen über die Popkultur der letzten 30 Jahre drauf und schaut extrem viele Filme, sonst brettern die Gags an Euch vorbei ohne, dass ihr es merkt. Und das wäre extrem schade.

Ryan Reynolds, der diesmal auch am Drehbuch mitwirkte, hat seine beste Rolle gefunden. Noch viel mehr, er hat sich einen Traum erfüllt. Es scheint so, als wären sein Deadpool und er über die Universen heraus miteinander so verbunden, dass kein anderer ihn darstellen könnte. Die Spielfreude ist ihm in jeder Sekunde anzumerken und das begeistert den Zuschauer. Auch die Szenen, die inhaltlich komplett drüber und vollkommen balla balla sind, performt er mit einer solchen Leidenschaft und Inbrunst, dass man wirklich laut im Kino „Chapeau“ rufen möchte. Was definitiv in einem Kinosaal auffallen würde, wer ruft schon mindestens einhundert Mal „Chapeau“ während der Film über die Leinwand flimmert. Neben ihm brilliert ein buntes Ensemble. Da in Deadpool auf verschiedenen Metaebenen agiert wird und immer mal wieder auch die vierte Wand zum Zuschauer eingerissen wird, bekommt vor allem der wunderbare Josh Brolin („Avengers – Infinity War“) mit seinen wohl „zufällig“ zwei Engagements in Marvel Filmproduktion sein Fett weg und muss sich ein paar Seitenhiebe gefallen lassen. Einen total verrückten aber geilen Cameo Auftritt absolviert der äußerst talentierte Bill „Pennywise“ Skarsgard („Es“). Vollkommen bekloppt.

 (C) 20th Century Fox / Marvel Entertainment

(C) 20th Century Fox / Marvel Entertainment

Man merkt den Wechsel des Regisseurs in „Deadpool 2“ deutlich. Denn David Leitch ist der Mastermind hinter den „John Wick“ Filmen und „Atomic Blonde“ und somit einer der besten internationalen Action- und Stuntspezialisten. Er hat auch gleich seinen Bildgestalter Jonathan Sela aus „Atomic Blonde“ mitgebracht und die Dynamik in der Bildsprache ist besonders in den Actionszenen zu sehen. Es ist der unverkennbare Style. Die Actionszenen selbst reichen von krass beeindruckend über extrem blutig und skurril bis hin zu vollkommener Überdrehtheit. Die Bild Ästhetik bleibt dabei aber immer hochwertig. Musikalisch übernimmt nun Tyler Bates („300“) das Scoreruder von Tom Holkenborg. Doch der eigentliche Star ist die wunderbar bekloppte bis vollkommen verrückte aber irgendwie passende Songauswahl von Ahas „Take On Me“ bis Enyas „Only Time“. Eine Figur bekommt sogar einen eigenen hochdramatischen Chor mit einem bekloppten Text. Es ist einfach nur total bescheuert, aber dafür kann man diesen Film durchaus feiern.

 (C) 20th Century Fox / Marvel Entertainment

(C) 20th Century Fox / Marvel Entertainment

Fazit: „Deadpool 2“ ist Anarchie pur. Hier wird alles durch den Kakao gezogen und rezitiert was nur geht. Es gibt so viele saukomische und vollkommen bekloppte Highlight-Szenen (Stichwort: „Basic Instinct“), gepaart mit genialer Action, einem Ryan Reynolds mit inbrünstiger Spielfreude und einer völlig bescheuerten Songauswahl, die den Schwachpunkt des Films relativ gut kaschieren: die Story.

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