5(+) Anfänger-Tipps für No-Budget-Produktionen (Vol. 1)

5(+) Anfänger-Tipps für No-Budget-Produktionen (Vol. 1)

Wer kennt sie nicht, die leidigen Anfragen: "suche Schauspieler, männlich, zwischen 18 und 120, mit blonden Haaren und roten Augen [...] außerdem bräuchten wir noch jemanden, der den Typ durch die Gegend kutschiert und unsere Lampen schleppt. Achja, wäre gut, wenn du dann auch noch Kochen kannst.  Bezahlen können wir dich leider nicht, für Essen und die Fahrt wäre dann aber gesorgt und wir werden bestimmt alle ganz viel Spaß am Set haben".

Zugegeben, die wenigsten No-Budget-Anfragen sind so platt, aber auch sonst macht es meistens eher mäßig viel Spaß, sich auf Jobs zu bewerben, bei denen man nichts verdient. Ganz besonders unangenehm ist es aber, wenn man sich dabei dann auch noch auf etwas einlassen soll, von dem man nicht weiß, was einen erwartet.

Und auch auf der anderen Seite macht es bedeutend mehr Spaß, wenn man sich an ein paar grundlegende Tipps und Regeln hält. Denn ob Studentenfilm oder Independent-Produktion: auch ohne großes Budget können tolle Filme - und für alle Beteiligten großartige Referenzen - entstehen.

Als eines der prominentesten Beispiele eines solchen Erfolgs mit deutscher Herkunft dürfte z.B. Shawn Bus "Darth Maul: Apprentice" anzuführen sein. Mit beinahe 17 Millionen Klicks wohl für die wenigsten noch neu, wer ihn aber noch nicht gesehen hat, oder einfach Lust hat, ihn sich nochmal anzusehen, findet den Film hier. Klar ist: nicht jeder No-Budget-Film wird so ein Hit, viele werden nicht fertiggestellt und manche enden im Desaster.

In dieser fortfolgenden Serie möchte ich also immer wieder Tipps vorstellen, die mir oder anderen Kameramännern/Regisseuren/Produzenten bei ihren No-Budget Projekten geholfen haben, um so anderen Leuten zu helfen, ebendiese unfertigen oder desaströsen No-Budget Projekte zu vermeiden.  Also, ohne weiter Zeit zu verschwenden, hier sind die ersten 5 Anfänger-Tipps für No-Budget-Produktionen:

  1. Freundlich sein: Na, also wem das nicht klar ist... JA, natürlich ist das jedem klar, aber das hier ist wirklich ernst gemeint. Denn oft geht es auch bei No-Budget-Produktionen hektisch her, auch hier geht mal Equipment kaputt, Leute müssen warten, Einstellungen funktionieren nicht wie geplant, Schauspieler vergessen ihre Texte, versprechen sich, plötzlich fehlen Drehgenehmigungen etc. etc. p.p.
    In solch einer Situation gibt es einen absoluten Kapitalfehler, den man begehen kann: unfreundlich werden. Denn niemand ist euch irgendetwas schuldig, keiner wird dafür bezahlt und überhaupt hat auch außer eurem Ego, wenn überhaupt, niemand was davon, wenn der Freund der Schwester, der die Klappe macht jetzt weiß, dass sogar ein Schimpanse die Takes ordentlich durchnummerieren könnte.
    Hier die Contenance zu wahren und auch im Stress freundlich zu bleiben ist nicht nur ein Zeichen von Professionalität, es hält auch die Stimmung am Set hoch und bewahrt euch vor zwischenmenschlichen Eskalationen.
  2. Mit offenen Karten spielen: Wer auch immer umsonst mit euch dreht könnte bemerken, dass ihr nicht ganz ehrlich mit ihm oder ihr wart, wenn plötzlich statt den versprochenen 70-100 Statisten nur vier Omas, drei Väter, zwei Mütter, vier Cousins und zwei Freundinnen da sind.
    Spätestens dann wirken auch alle anderen Versprechen wie "tolle Referenz, professionelle Crew und gutes Catering" nicht mehr glaubwürdig, und wenn der Hauptdarsteller dann ne Fliege macht, ist der Drehtag gelaufen. Und auch, wenn das jetzt komisch klingt: Es gibt viele Leute, die auch gerne mit einer kleineren Crew und auf ner DSLR drehen, wenn sie davon überzeugt sind, dass es ne gute Sache ist. Anlügen lässt sich aber niemand gerne, also hat es auch keinen Sinn, sich hier im Vorhinein größer zu machen, als man dann tatsächlich ist.
  3. Steckt verdammt nochmal Arbeit in eure Vorproduktion!
    Es gibt nichts, aber auch wirklich nichts nervigeres, als ein cooles Drehbuch zu lesen, sich mit den Leuten zu unterhalten, zuzusagen, und dann am Set mitzuerleben, wie sich der Regisseur und Kameramann einig werden müssen, wie welche Szenen aufgenommen werden, wo das Licht stehen soll, welche Stimmung die Szene hat, oder in welcher Reihenfolge man das ganze überhaupt abdrehen will.
    Denn: gerade bei No-Budget Projekten hetzt einen niemand, jedenfalls nicht vor Drehbeginn. Also kann man auch genügend Freizeit in Location-Scouting, Floorpläne, Moodboards, Shotlists, Storyboards, Dispositionen, Equipmentlisten, Setdesign, Charakterskizzen etc. stecken. Das ist sicherlich nicht unbedingt alles ein Muss, hilft aber allen Beteiligten immens und lässt einen auch gleich bedeutend seriöser wirken, wenn man dann mal so weit ist, noch Cast und Crew oder Sponsoren zu suchen. Was mich auch schon zum nächsten Punkt bringt:
  4. Im Sinne der Gruppe: Steckt mal ein paar Minuten mehr in eure Gesuche - dazu gehören insbesondere: eine Beschreibung eures Vorhabens, die zu besetzenden Aufgaben, Drehort und -zeitraum, Infos zum Produktionsstand, am besten mit gewissen Einblicken in die bisherige Produktion, sofern auch Crew gesucht wird: ein gewisser Überblick über vorhandene und zu bedienende Technik sowie die geplante technische Umsetzung. Auch allgemeine Besonderheiten, wie z.B. dass es sich um die zwölfte Produktion des Regisseurs handelt und der auch schon in Cannes gelaufen ist, sich jetzt aber mal auf nem neuen Feld ausprobieren will, können helfen, für Leute interessant zu sein.  
    Aber noch besser: Sucht aktiv nach Leuten, die ihr in eurem Projekt haben wollt. D.h. seht euch Showreels von DoPs, Schauspielern, ACs oder wen ihr sonst in eurem Projekt haben wollt an und geht auf diese Leute zu. Das zeigt ihnen einerseits, dass ihr selbst gewissen Aufwand für den Film betreibt und es also ernst meint, andererseits sagt es dem Menschen aber auch: "hey, ich finde deine Arbeit geil und würde deswegen gerne mit dir zusammenarbeiten". Wer wäre da nicht eher geneigt, mal ein paar Tage zu opfern als bei einem Aufruf alla "Bewerbung mit Showreel, Referenzen, Lebenslauf, zweiseitigem handgeschriebenen Motivationsschreiben und Empfehlung des letzten Regisseurs an h2zk3-we-no-money-film@web.de.
  5. Kümmert euch um euer Team: Dazu gehört alles, was dazugehört, d.h. wenn der Kameramann 11 Stunden am Tag handheld drehen soll und kein eigenes Easyrig hat, fragt man ihn, ob man denn eins für ihn mieten soll, und wenn das keine Option ist, sorgt man auf jeden Fall dafür, dass er in einem Bett schlafen kann und nicht mit Isomatte auf dem Dachboden vom Nachbarn übernachten muss. Selbiges gilt für die Schauspieler: Wenn die Leute - und das ist nun manchmal gezwungenermaßen der Fall - am Dreh schon mal 4 Stunden warten müssen, dann nach Möglichkeit nicht in eisiger Kälte mit nichts zu beißen als ein paar Butterbroten.

Für alle, die schonmal No-Budget gedreht haben, ist das vermutlich jetzt erstmal eine Selbstverständlichkeit. Dass das alles aber auch eine gute Ausgangsposition darstellt, ist dann vermutlich auch klar. Insofern: viel Erfolg mit euren Produktionen, keep cool und bis bald mit den nächsten 5 Tips!

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Dieses Video wurde nur mit dem iPhone X gefilmt und es sieht unglaublich gut aus!

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