Review: "Taboo" (BBC Serie)

Review: "Taboo" (BBC Serie)

* * * * * * * * (8 von 10 Sternen)

Wenn man über „Taboo“ spricht, so spricht man über eine Familienserie im besonderen Stil. Und damit ist nicht das Genre per se gemeint. Es geht viel mehr um die Konstellation hinter der Kamera. Die Serie wurde zusammen von Vater und Sohn kreiert. Denn der Schauspieler Tom Hardy hat die Serie zusammen mit seinem Vater Chips und dem Drehbuchautor Steven Knight („Tödliche Versprechen – Eastern Promises“) entwickelt. Gemeinsam mit Erfolgsproduzent Ridley Scott („Gladiator“ „Blade Runner“) produzierte Tom Hardy die britische Serie, die über Amazon Prime verfügbar ist.

 (C) BBC / Scott Free Productions / Hardy Son & Baker

(C) BBC / Scott Free Productions / Hardy Son & Baker

„Taboo“ erzählt die Geschichte vom Briten James Delaney, der 1814 nach einem langen Aufenthalt in Afrika zurück nach London gekommen ist. Dort muss er das Erbe seines Vaters gegen einflussreiche Machenschaften verteidigen und legt sich dabei mit den einflussreichsten Persönlichkeiten und Institutionen an. Er riskiert dabei sogar einen Handelskrieg zwischen England und Amerika. Und auch James Delany selbst, scheint ein Geheimnis in sich tragen. Ein Geheimnis, dass ihn von wohl von normalen Menschen unterscheiden wird.

 

Die Geschichte und die Dramaturgie steht bei „Taboo“ im Vordergrund. Sie ist vor allem eine spannende Charakterstudie und überzeugt durch Wendungen und gut gesetzte Twists. Die unterschiedlichen Figuren stehen im Mittelpunkt. Zuviel Action darf man jetzt nicht erwarten, aber die Story ist trotzdem spannend erzählt. „Taboo“ kann dich als Zuschauer definitiv in ihren Bann ziehen und sie wandelt gern zwischen Bodenständigkeit und Mystery.

 (C) BBC / Scott Free Productions / Hardy Son & Baker

(C) BBC / Scott Free Productions / Hardy Son & Baker

Die Serie lebt vor allem durch die Performance und Interaktion seiner Schauspieler. Denn sie haben das wunderbare Vergnügen vielseitige, undurchsichtige und komplexe Charaktere mit Ecken und Kanten. Ein kleines Paradies für die Schauspieler. Tom Hardy übernimmt die Rolle der Titelfigur James Delaney und spielt diese undurchsichtige und emotional wandelbare Figur mit solcher Hingabe und Inbrunst. Diese Begeisterung schwappt natürlich sofort auf den Zuschauer über, denen es dadurch sehr leicht gemacht wird, Delaney als Identifikationsfigur ins Herz zu schließen. Aber die Serie lebt nicht allein von der Performance von Hardy. Jonathan Pryce („Game of Thrones“ „Fluch der Karibik“), Michael Kelly („House of Cards“ „Man of Steel“), Tom Hollander („Mission: Impossible“ „Fluch der Karibik 3“) und auf deutscher Seite Franka Potente („Lola rennt“ „Die Bourne Identität“) überzeugen als wunderbare Mimen in ihren Rollen und beweisen, dass nicht immer ein Casting nach Fame nötig ist, um einen genialen Cast zu versammeln. „Sherlock“ Mastermind Mark Gatiss überzeugt vor allem durch seine Wandlungsfähigkeit mittels Fatsiut und Maskenbild, um seiner Rolle gerecht zu werden.

 (C) BBC / Scott Free Productions / Hardy Son & Baker

(C) BBC / Scott Free Productions / Hardy Son & Baker

Die Serie fasziniert mit einer durchgängig schmutzigen und düsteren Bildsprache. Helle und wärmende Farben gibt es nur in wenigen Momenten. Das London um 1814 ist schmutzig, dunkel und extrem matschig. Es spiegelt so treffend und perfekt die Seelen und die Handlungen der Persönlichkeiten und Menschen wider, die auf ihren Straßen wandeln. Die Serie wirkt wie aus einem Guss. Hier agieren Schauspieler und das Design auf einer Ebene.

„Taboo“ ist auf musikalischer Ebene ebenso gelungen. Das liegt vor allem an dem jungen und talentierten Komponisten Max Richter, der durch sein Werk „On the Nature of Daylight“ große Bekanntheit erlangt hat. Viele Cineasten kennen das musikalische Stück entweder aus „Arrival“ von Dennis Villeneuve oder aus „Shutter Island“ von Martin Scorsese, wo es in Schlüsselszenen zum Einsatz kam. Max Richter schuf für die Serie einen schönen orchestralen Sound, der viele Szenen perfekt untermalt.

 (C) BBC / Scott Free Productions / Hardy Son & Baker

(C) BBC / Scott Free Productions / Hardy Son & Baker

Fazit: „Taboo“ ist eine Serie, die durch ihre Charaktere und den Schauspielern überzeugt. On top kommt noch eine treffende Bildsprache und einen feinen Score von Max Richter.

"Taboo" - die komplette 1 Staffel ist auf AMAZON PRIME in Originalsprache und in deutscher Fassung abrufbar.

Persönliche Anmerkungen: Folgen auf diese Review nun Aussagen wie "Ist doch ein alter Hut!" oder "Viel zu spät!" kann ich dazu folgendes sagen: Richtig gute Serien haben kein Verfallsdatum. Sie können jederzeit und an jedem Ort gesehen werden.

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