Review "Dark" (Mystery / Netflix)

Review "Dark" (Mystery / Netflix)

* * * * * * * * (8 von 10 Sternen)

Die Entstehungs-Geschichte von „Dark“ ist für jeden Filmemacher wie ein feuchter Traum mit Ejakulationsgarantie. Provokant formuliert zumindest. Da kommt der aktuelle Big Player der Streaming-Dienste auf dich zu, weil sie einen deutschen Genrefilm von dir gesehen haben und fragen dich, ob du die erste deutsche Netflix-Serie entwickeln möchtest. Dann überlegst du und dir fällt ein, dass du in einer deiner Schubladen noch ein Konzept liegen hast, was du immer schon mal realisieren möchtest. Netflix sagt: „Okay, cool! – Macht mal!“. Du produzierst die erste Staffel und jetzt folgt die eben benannte Ejakulationsgarantie. Netflix bietet dir einen Vertrag an, exklusiv über Jahre Content zu entwickeln. Wer von Euch jetzt gekommen ist, schämt euch nicht, denn das ist mehr als verständlich. Die Glückseligkeit ist nun bei den Filmemachern und Eheleuten Baran Bo Odar und Jantje Friese („Who Am I“) angekommen.

(C) Wiedemann & Berg Television

(C) Wiedemann & Berg Television

Mysteriöse und tragische Geschehnisse passieren in dem beschaulichen Örtchen Winden. Unerklärlich, angsteinflößend und dramatisch. Die Bewohner werden auf eine harte Probe gestellt. Beziehungen scheitern. Angst und Leid geschieht. Verbündete werden zu Feinden. Persönlichkeiten werden gebrochen. Angst und Feindseligkeit werden gesät. Und all das scheint mit einem Unfall im naheliegenden Atomkraftwerk in Verbindung zu stehen, der vertuscht werden sollte. Dieser Vorfall scheint die Grenzen jeglicher Art verschwimmen zu lassen.

„Dark“ ist eine Mischung aus Mystery, Science-Fiction und Crime. Die Macher versammeln einen großen Cast um sich, denn immerhin ist ein ganzes Dorf im Zentrum der Geschichte. Neben den mysteriösen Elementen werden vor allem auch zwischenmenschliche Konflikte angesprochen. Jeder Charakter ist in irgendeiner Form seelisch gebrochen worden und verbirgt ein Geheimnis. In der ersten Staffel ist spürbar, dass die Geschichte auf mehrere Staffeln ausgelegt ist. Viele Konflikte werden angeschnitten aber noch nicht aufgelöst. Die Dramaturgie öffnet viele verschiedene Erzählstränge un wirft mit Antworten auf offene Fragen wieder neue Fragen auf. Eine weitere Herausforderung sind die Konstellationen der Figuren auf jeglicher Ebene zueinander. In den ersten Folgen ist noch kein Hauptantagonist auszumachen, dieser zeigt sich erst nach und nach, bleibt aber noch ein großes Mysterium. Manchmal ist es dadurch aber auch schwer auszumachen, mit welcher Motivation die Figur agiert

(C) Wiedemann & Berg Television

(C) Wiedemann & Berg Television

Die Spannung zieht die Serie aber nicht aus den Konflikten zwischen den Figuren, sondern aus den Ereignissen, die geschehen. So manches Mal läuft einem als Zuschauer tatsächlich einen Schauer über den Rücken, wenn ein Twist etabliert und dann aufgeklärt wird. Hier überzeugt die atmosphärische Inszenierung auf ganzer Linie. Die Bildgestaltung überzeugt gleichermaßen, wie das Setting und die Locations. Auch die Musik von Ben Frost könnte überzeugen und sie hat auch einige denkbare Momente, jedoch haben es die Serienmacher mit dem Einsatz der Musik ein bisschen übertrieben. So wird der Zuschauer immer und immer wieder mit dem Haupttheme suggeriert, dass etwas passieren könnte. Das verliert leider in den wirklich wichtigen und richtigen Momenten die Intensivität.

(C) Wiedemann & Berg Television

(C) Wiedemann & Berg Television

Fazit: „Dark“ ist als erste deutsche Serienproduktion für Netflix definitiv international auf einem hohen Niveau und offenbart wozu deutsche Filmemacher und Geschichtenerzähler wirklich im Stande sind. Die Serie überzeugt durch atmosphärisch inszenierte Spannungselemente und motiviert den Zuschauer durch seine komplexe Story und Figurenkonstellationen aufmerksam die Folgen zu suchten.

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