Review: "Alita - Battle Angel" (Fantasy / Science-Fiction)

Review: "Alita - Battle Angel" (Fantasy / Science-Fiction)

* * * * * * * * * (9 von 10 Sternen)

James Cameron ist ein Mensch mit sehr viel Geduld und noch mehr Durchhaltevermögen. Um seine Visionen zu verwirklichen, wartet er meist über 10 Jahre und entwickelt die Technik, die er dazu benötigt, stetig weiter. Um seine Vision von „Avatar“ zu realisieren, wartet Cameron, bis der technische Fortschritt ausgereift ist und entwickelt nebenher selbst neue Technologien. Tatsächlich war es die „Herr der Ringe“ Trilogie, im Besonderen die Technik hinter der Figur Gollum, das Motion Capture System, die es erst für Cameron möglich gemacht hat, die Welt von „Avatar“ zu inszenieren. Im Jahr 2000 hat er sich die Rechte an Yukito Kishiros Manga „Battle Angel Alita“ gesichert. Das ist nun 19 Jahre her. Und da er mit seinem „Avatar“ Universe eine Menge Arbeit hat, übergab er das Regiezepter an einen anderen Kreativen. Seine Wahl fiel auf Robert Rodriguez, der damit zum ersten Mal bei einem Big Budget Hollywood Film Regie führte.

(C) 20th Century Fox / Lightstorm Entertainment / Troublemaker Studios

(C) 20th Century Fox / Lightstorm Entertainment / Troublemaker Studios

Die Story von „Alita – Battle Angel“ ist in der Zukunft angesiedelt. Die zeitliche Zuordnung geschieht bereits beim Studiologo, wenn das ehrwürdige 20th Century Fox Logo sich zu einem 25th Century Fox Logo verwandelt. Die Handlung setzt 300 Jahre nach einem großen Krieg an. Es herrscht eine gesellschaftliche Zwei-Klassen-Gesellschaft. Hoch oben in Zalem leben die Reichen und Einflussreichen, unten in Iron City ein Abschaum aus Menschen und Cyborgs. Mitten in Iron City in einem durch Zalem verursachten Schrotthaufen findet Dr. Dyson Ido (Christoph Waltz) die Überreste eines weiblichen Cyborgs (Rosa Salazar) und schenkt ihr einen Körper. Alita ist geboren und muss sich in der neuen Welt zurechtfinden.

Das Drehbuch entwarfen James Cameron und seine kreative Gefährtin Laeta Kalogridis („Shutter Island“ „Avatar“) und sie erzählen eine klassische Coming of Age Geschichte, aber diesmal aus der Sicht eines Cyborgs. Zugegeben ist die Story nicht sehr komplex und orientiert sich in ihrer Schlichtheit eher an Camerons „Avatar“. Hier ist alles klar etabliert. Die Protagonisten. Die Antagonisten. Jede Seite ist klar und definiert. Das Besondere ist aber die Konstellation der Figuren zueinander und ihre emotionalen Verbindungen. Das ist die Seele dieses Films und macht die Story auch zu etwas besonderem. Vor allem in Hinblick darauf, dass höchstwahrscheinlich mehr als 50% des Films am Computer entstanden ist und auch unsere Hauptfigur im Endeffekt „künstlich“ erschaffen wurde, ist der Synchronisationspunkt beim Zuschauer besonders hoch und das ist sehr bewundernswert. Als Zuschauer gehst du emotional mit und tauchst mit Alita in ihre Welt.

(C) 20th Century Fox / Lightstorm Entertainment / Troublemaker Studios

(C) 20th Century Fox / Lightstorm Entertainment / Troublemaker Studios

Natürlich hat auch dieser Film wie alle Cameron und Rodriguez Filme seine Schauwerte und in dieser Hinsicht ist „Alita – Battle Angel“ ein wahrer Augenöffner. Die Action ist dynamisch, schnell und stets übersichtlich. Die Bilddramaturgie von Action-Spezialist Bill Pope („Matrix“ „Spider-Man“ „Baby Driver“) nimmt uns auf souveräne Art und Weise mit in die Welt von Iron City. Sowohl in den ruhigen als auch in den actionreichen Momenten ist die Cinematographie herausragend und pulsierend. Hier lohnt es sich wirklich den Film in einem IMAX 3D Kino anzusehen.

Die große Frage nach seinem Tod ist, wer tritt die Nachfolge vom großen Filmmusik-Komponisten James Horner („Braveheart“ „Titanic“ „Avatar“) an, der bei einem Flugzeugunglück auf tragische Weise viel zu früh ums Leben kam. Die Antwort auf diese Frage muss aber noch vertagt werden, da ja nicht Cameron bei „Alita – Battle Angel“ nicht Regie führte. Rodriguez und Cameron entschieden sich für Tom Holkenborg („Mad Max – Fury Road“ „Deadpool“), der einen klassisch orchestralen Score mit leichtem elektronischem Einschlag komponierte. Leider lassen sich aus dem Score eine Hauptthemen heraushören, was ein bisschen schade ist.

(C) 20th Century Fox / Lightstorm Entertainment / Troublemaker Studios

(C) 20th Century Fox / Lightstorm Entertainment / Troublemaker Studios

Der Cast von „Alita – Battle Angel“ überzeugt. Rosa Salazar (bekannt aus „Maze Runner“ und „American Horror Story“) übernimmt die Hauptrolle von Alita und schlüpft in den berühmten Performance Capture Strampelanzug. Ebenfalls im Strampler überzeugen ihre Kollegen Ed Skrein („Deadpool“) und, kaum wiederzuerkennen, Jackie Earle Haley („Watchmen“). Alitas charismatischer Love Interest übernimmt Keean Johnson, ein Kino Newcomer. Christoph Waltz („Django Unchained“) spielt gewohnt überzeugend und gradlinig. Charismatisch und stilvoll sexy ist Jennifer Connelly. Edward Norton hat einen besonderen Auftritt in „Alita – Battle Angel“ und sollte das Franchise erfolgreich sein, wird seine Rolle sehr wichtig sein.

Fazit: „Alita – Battle Angel“ gleicht schon einer willkommenen Wohltat in dem Comicverfilmungs- und Reboot Wahn Hollywoods. Der Film ist eine Kombination aus dem Rock-Rebellen Rodriguez und dem Weltenerschaffer Cameron. Das Drehbuch ist einfach, aber emotional, der Film überzeugt mit seinen Schauwerten und seinem Ensemble.

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