Review: "8 Tage" (Thriller-Serie)

Review: "8 Tage" (Thriller-Serie)

* * * * * * * * * (9 von 10 Sternen)

Was würdest du tun, wenn in 8 Tagen deine Welt untergeht? Mit dieser simplen Prämisse zaubert die kleine Kreativschmiede NEUESUPER aus München für Sky eine pre-apokalyptische Serie. Genau, eine deutsche Serie über einen bevorstehenden Weltuntergang. Und sie bricht endlich mit all den Sehgewohnheiten und Konventionen, die wir bisher bei deutschen Serienproduktionen gesehen haben. Dort, wo sonst sehr konventionelle Grenzen gesetzt werden, überschreitet „8 Tage“ eben diese. Es ist eine Wohltat zu sehen, wenn sich Kreativität frei entfalten kann. Die Miniserie bildet in meinen Augen den bisherigen Höhepunkt der „Neuen Deutschen Serienwelle“.

(C) NEUESUPER / SKY

(C) NEUESUPER / SKY

Ein Meteor wird in acht Tagen auf die Erde einschlagen und das Leben aller Menschen verändern. Die Situation ist ausweglos, es gibt einfach kein Entkommen. Das Schicksal aller Menschen ist damit entschieden und es zählt nur noch, die 8 Tage so zu leben, als wären es die letzten. Würdet ihr fliehen? Würdet ihr Euch in einem Bunker verstecken? Würdet ihr feiern bis zum vollkommen Partyexzess? Würdet ihr zu Gott beten? Oder selber Gott sein? Die Serie begleitet verschiedene Protagonisten

 

Die acht Drehbücher von Rafael Parante, Peter Kocyla und Benjamin Seiler erzählen die Geschichten unterschiedlicher Protagonisten kurz vor der Stunde null. Der Fokus liegt auf den Charakteren aber trotzdem bauen die Filmemacher Spannung und Atmosphäre auf. Ihre Protagonisten gehen an ihre Grenzen und darüber hinaus. Über alles schwebt der Egoismus und der Narzissmus der Menschheit, der sich wie ein unheilbares Virus in ihre Seelen eingenistet hat und ihren Geist vergiften. Am Ende steht zählt nur das Individuum. Möglicherweise resultiert das aus dem von der Natur gegebenen Überlebensinstinkt, aber es ist schon manchmal schwer zu ertragen, Menschen dabei zuzusehen, wie sie andere Menschen, um selbst zu überleben, in den Abgrund stürzen. Die Autoren zeichnen dieses konstant düstere Bild mit gelegentlichem Aufleuchten kleiner Hoffnungsschimmer. Das entworfene Setting ermöglicht den Filmemacher viele Freiheiten die sie sich auch nehmen. Blutige Auseinandersetzungen und Shootouts. Partyexzesse. Sexorgien. Sogar eine Kreuzigung. Die Kamera hält erbarmungslos drauf. Die Serie geht über die Grenzen hinaus. Alles ist entfesselt und unkontrollierbar. Und es wirkt dabei nie als sei es nur Mittel zum Zweck. Es unterstreicht die apokalyptische Stimmung. Es tauchen vereinzelt kleine Ungereimtheiten in den Handlungsmotiven der Figuren auf, über wenige kleine Dialogaussetzer wundert man sich, aber das schmälert das Gesamtwerk nicht.

(C) NEUESUPER / SKY

(C) NEUESUPER / SKY

„8 Tage“ macht sich seine Schwäche zu seiner Stärke und verzichtet gekonnt auf ein klassisches VFX Spektakel. Der Meteor ist in der gesamten Serie maximal 50 Sekunden zu sehen. Die Filmemacher konzentrieren sich komplett auf Handmade. Und das ist eine Wohltat. Sie erzeugen die nötige Spannung durch ein pre-apokalyptisch angehauchtes Set-Design. Mit wenigen Mitteln die größte Atmosphäre erzeugen. Verlassene Straßen und Parkplätze. Verwaiste Häuser. Türmende Müllberge. Das Ende ist nah. Die Bildgestaltung ist geerdet und dynamisch und unterstreicht das Feeling der Serie. Komponist David Reichelt hat einen elektronischen wabernden Score mit sehr ausgeprägten Elementen der Opernmusik kreiert. Das Hauptmotiv ist der Operngesang der Sopranistin Caroline Adler.

(C) NEUESUPER / SKY

(C) NEUESUPER / SKY

Von den gestalterischen Freiheiten, die den Filmemacher zu Teil worden, profitierten vor allem auch die Schauspieler. Zum ersten Mal hat man das Gefühl, dass das Ensemble um Mark Waschke, Christiane Paul, Devid Striesow, Fabian Hinrichs, Henry Hübchen und Nora von Waldstätten an ihre Grenzen kommen und dabei eine große Spielfreude entwickeln, die sofort auf den Zuschauer überspringt. Physisch und psychisch weit geht das Ensemble und zeigt die Bannbreite ihres Könnens.

Fazit: „8 Tage“ markiert meinen persönlichen Höhepunkt der neuen deutschen Serienwelle und überzeugt mit einem Drehbuch, dass von allen Fesseln der Konventionen befreit, die Grenzen überschreitet, einer atmosphärisch dichten Visualität und einem spielfreudigen Schauspieler-Ensemble.

Hinweis: Alle Folgen von „8 Tage“ sind über SKY TICKET und SKY GO abrufbar.

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