Review: "How to sell drugs online (fast)" (Netflix)

Review: "How to sell drugs online (fast)" (Netflix)

* * * * * * * * (8 von 10 Sternen)

Nach „Dark“ und „Dogs of Berlin“ kommt nun eine dritte Netflix Serie aus Deutschland. Produziert von btf, der bildundtonfabrik. Auf dem ersten Blick ist das doch recht ungewöhnlich, denn immerhin kennt man die kreativen Köpfe von btf für Show-Produktionen wie „Roche und Böhmermann“ und die letzte Late Night Show auf zdf neo „Neo Magazin Royale“. Tatsächlich ist aber der Ursprung der Produzenten der fiktionale Bereich, denn diesen haben sie einst an der Kunsthochschule für Medien in Köln studiert. Jetzt kehren sie mit „How to sell drugs online (fast)“ zu ihren Wurzeln zurück.

(C) bildundtonfabrik / Netflix

(C) bildundtonfabrik / Netflix

Die Serie über einen Nerd und „Loser“, der einen Onlineversandhandel aufzieht, soll auf wahren Begebenheiten basieren. Inspiriert durch den Fall von Maximilian S. aus Leipzig, bei dessen Verhaftung rund eine Tonne Drogen sichergestellt wurde.

Zu Beginn nimmst sich die Serie selbst nicht ernst und kommt somit nicht als schwermütiges Drogendrama daher. Die vierte Wand wird durchbrochen und die Tatsache, dass Netflix den Stoff verfilmen möchte, wird aufs Korn genommen. Es ist eher eine Coming of Age Dramedy auf der Höhe der Zeit. Sie jongliert mit den aktuellen Möglichkeiten, die uns das Social Media schenken. Das guten aber auch die schlechten. Die ganze Bannbreite wird abgefrühstückt. Von Instagram über Tinder bis zu Dickpics, alles steht auf humoristische Weise auf der Abrechnungsliste der Drehbuchautoren. Die Grundthemen mit denen sich die 6 Folgen beschäftigen ist die Selbstfindung und die Suche nach einem Platz im System.

(C) bildundtonfabrik / Netflix

(C) bildundtonfabrik / Netflix

„How to sell drugs online (fast)“ pfeift auf alle „deutschen“ Konventionen und kommt nicht schwer schweres und behäbiges fiktionales Werk daher. Es ist so, als hätten die Kreativen von btf zusammen mit ihren Regisseuren Lars Montag und Arne Feldhusen („Der Tatortreiniger“) beweisen wollen, mit wie viel Dynamik und Leichtigkeit deutscher fiktionaler Stoff sein kann. Somit hat der Zuschauer auch ganz einfach die Möglichkeit mal den Alltag abzuschalten und die Serie komplett durchzusuchten. Das geht relativ zügig, denn die 6 Folgen sind nicht länger als 30 Minuten. Tatsächlich ist der Erzählbogen noch ein viel größerer und kündet mindestens zwei weitere Staffeln an. Das führt am Ende aber zu leichten Irritationen beim Zuschauer. Tatsächlich fühlt sich die erste Staffel an, als wäre sie ein 70 Minuten Kinofilm und wenn man nicht aufpasst, verpasst man das Staffelfinale.

In den Hauptrollen überzeugen vor allem die Jungschauspieler Maximilian Mundt und Danilo Kamperidis ab. „Club der roten Bänder“ Schauspieler Damian Hardung liefert als kleiner gutaussehender Macho eine solide Performance ab und ist meist Zielscheibe für humoristischen Output der Nerds. Der Support kommt in den Nebenrollen von deutschen Schauspielgrößen wie Ulrike Folkerts, Hinnerk Schönemann und Bjarne Mädel („Der Tatortreiniger“). Letzterer zeigt besonders wie viel Spaß er mit seiner Rolle hatte. Ein besonderes Cameo hat Mr X. Faktor Jonnathan Frakes (die älteren RTL II Zuschauer werden sich erinnern).

(C) bildundtonfabrik / Netflix

(C) bildundtonfabrik / Netflix

Visuell unterstreichen die beiden Regisseure zusammen mit ihrem Bildgestalter Armin Franzen, der zuletzt mit dem Musikvideo zu „Deutschland“ von Rammstein für Furore und ein visuelles Meisterwerk sorgte, die Dynamik und die rasante Erzählstruktur der Story. Ein rasantes und dynamisches Feuerwerk an Animationen und Schnittgewittern. Fantastische Interaktionen mit den Social Media Apps und lustige Querverweise.

Fazit: „How to sell drugs online (fast)“ ist kurzweilige Unterhaltung mit gutaufgelegten Darstellern und zeigt, wie lässig und cool deutsche Serien sein können, ohne sich anzubiedern (und das haben sie den deutschen Volksparteien mehr als voraus).

Review: "Chernobyl" (Miniserie)

Review: "Chernobyl" (Miniserie)

Review: "Shazam" - (Comicverfilmung)

Review: "Shazam" - (Comicverfilmung)